Akustik ist in jedem Büroprojekt von mir ein Thema – und es läuft lustigerweise fast immer nach demselben Schema ab:

Zuerst heißt es „das brauchen wir nicht“ oder „das wird schon passen, sobald Möbel da sind“ – und dann nach einigen Wochen läutet mein Telefon, weil es doch zum Problem wird. Wenn Mitarbeitende sagen, sie könnten sich nicht mehr konzentrieren, weil es so laut ist. Wenn Telefonate die Zusammenarbeit stören oder alle nur noch mit Kopfhörern am Arbeitsplatz sitzen, damit sie fokussiert arbeiten können.

Natürlich kann akustisch auch im Nachhinein Abhilfe geschaffen werden, aber immer mit Mehrkosten und Mehraufwand als notwendig und wäre es nicht besser, diese Fehler erst gar nicht zu machen?
Einige Akustikprobleme haben nämlich interessanterweise gar nicht so viel mit den Räumlichkeiten und Akustikprodukten selbst zu tun, sondern eher mit der Anordnung der Arbeitsplätze und in einzelnen Fällen sogar mit der Unternehmenskultur.

Warum Lärm im Büro so anstrengend ist

Lärm im Büro ist störend – Punkt. Unser Gehirn kann ihn nicht ignorieren und das führt dazu, dass wir schneller ermüden, häufiger Pausen brauchen oder Aufgaben unbewusst vermeiden.

„Wir können uns dazu entscheiden, nichts zu sehen aber wir können uns nicht dazu entscheiden, nichts zu hören“

Unbekannt

In Büros mit schlechter Akustik kommen dann vor allem Sätze wie:

  • „Ich erledige das lieber zu Hause.“
  • „Für das Telefonat gehe ich schnell raus auf den Gang.“
  • „Richtig konzentrieren kann ich mich hier kaum.“

Ich möchte festhalten: Das sind keine individuellen Vorlieben! Es zeigt eher, dass das Büro nicht gut geeignet ist, um fokussierte Arbeit erledigen zu können. Wenn nun aber die Mitarbeitenden lieber im Home-Office arbeiten, dann fehlen sie für den so notwenigen sozialen Austausch im Unternehmen. Studien zeigen recht deutlich, dass Innovation und Austausch zum größten Teil nur im Büro funktioniert und es wäre doch schade, wenn das verloren ginge.

Ein typisches Szenario aus der Praxis

Ein Unternehmen zieht um in ein neues Büro: Open-Office, tolle Möbel, viel Glas, Holz und Betonwände- und Decken. Auf den ersten Blick wirkt alles gut. Nach ein paar Wochen zeigt sich jedoch ein anderes Bild:

Telefonate hallen von einem Raumende zum anderen – im Meetingraum versteht man das Wort des Gegenübers schlecht aber dafür bekommt man den Büroalltag außerhalb des Raumes mit. Private Unterhaltungen und die Kaffeemaschine aus der Teeküche stören die KollegInnen und konzentrierte Arbeit wird an den Rand des Tages verschoben – oder ins Home-Office.

Das Problem in diesem Fall ist nicht (nur) das offene Büro an sich.
Wir sehen, dass die unterschiedlichen Tätigkeiten alle in einem Raum vereint sind und keine räumliche oder akustische Trennung stattgefunden hat. Zusätzlich tragen die eingesetzten Materialien keinen nennenswerten Beitrag für gute Akustik und Verständlichkeit bei.

Wie könnte man das also besser lösen? Schauen wir uns folgend einmal die Anordnung nach Tätigkeiten und einzelne Materialien an.

Akustik geht Hand-in-Hand mit dem Konzept

Die entscheidende Frage lautet in der Planung des Büros immer:
Wer macht hier was – und wie oft gleichzeitig?

Ein Büro, in dem viel telefoniert wird, braucht andere Bedingungen als ein Büro mit langer konzentrierter Einzelarbeit. Werden diese Tätigkeiten räumlich nebeneinander geplant, entsteht automatisch Konflikt – unabhängig davon, wie viele Akustikpaneele montiert werden.

Eigentlich kann man viele dieser Themen mit logischem Verstand schon in der Planungsphase eliminieren. Denn ich würde ja nicht den Vertrieb (viel Telefonakquise, Abstimmungen, wird eher mit Hektik und viel Austausch verbunden) neben die Rechtsabteilung (Konzentration, heikle Daten, Fokus) setzen – oder?

Mein Tipp: Halte am Anfang einmal fest, welche Abteilungen durch ihre Tätigkeiten einen höheren Geräuschpegel verursachen, welche benötigen vor allem Raum für konzentrierte Arbeit? Überlege dir, wie die Abteilungen untereinander zusammenarbeiten und schaffe so clevere Abläufe mit kurzen Wegen, wenn spontane Abstimmungen stattfinden sollen. Lege offene, kommunikative Zonen (Teeküche, Open Lounge, uvm.) eher an ein Ende des Büros und nicht mittig, so dass ihr eine gute akustische Trennung durch räumlichen Abstand schaffen könnt.

Foto von 2H Media auf Unsplash

Welchen Anteil haben Materialien bei Akustik?

Der folgende Abschnitt hat das Potential, den Rahmen dieses Beitrags um einige Seiten zu sprengen – ich versuche daher die (für mich) wichtigsten Hebel bei Materialität und Akustik aufzulisten.

Vorab: Harte Oberflächen wie Holz, Stein oder Glas absorbieren Schall nicht, sondern werfen ihn 1:1 zurück in den Raum. Wir erhalten dann beispielsweise lange Nachhallzeiten und schlechte Sprachverständlichkeit. Es gibt jedoch Möglichkeiten, diesen Schall besser aufzunehmen, ihn zu dämpfen und dadurch die unangenehmen Störgeräusche zu minimieren.

Teppichboden: Der Boden gehört ebenso wie die Decke zu den größten Flächen im Büro – wenn man diese Flächen also teilweise oder vollflächig nutzt hat man schon viel gewonnen. Teppichböden haben leider bei einigen von uns noch immer einen schlechten Ruf – schnell kommen Einwände zu starker Verschmutzung oder hässlicher Optik auf.
Dazu kann ich nur sagen, dass heutzutage großartige Teppichoberflächen am Markt vorhanden sind – von selbstreinigenden Materialien, tollen nachhaltigen Produkten und auch optisch kann man den Boden zu einem Hingucker machen.

Ich plane deswegen gerne Teppiche ein, da sie Räume nicht nur schön zonieren können sondern auch den Trittschall hörbar verringern. Eine Möglichkeit ist beispielsweise, die hochfrequentierten Flächen, wie die Laufwege und Gänge mit einem Teppichboden auszustatten.

Vorhänge: Spoiler – eine der am meist unterschätzten Möglichkeiten, in meinen Augen und ein absolutes Must-Have in meinen Projekten. Anstelle von metallischen Jalousien verwende ich lieber akustisch wirksame Vorhänge oder Paneele. Sie tragen nicht nur zu einem wohnlicheren Gefühl bei, sie entblenden dabei auch das Licht von außen und entlasten die Augen.

Mit Vorhängen ist es ähnlich, wie bei Teppichen – du erzielst eine riesige Fläche, die akustisch wirksam gemacht werden kann und kannst zusätzlich auch Räume zonieren, wenn du die Vorhänge mittig im Raum einplanst. Akustikvorhänge gibt es in allen Farben und Materialien – und in unterschiedlichen Transparenzstufen.

Pro-Tipp: Wenn du Vorhänge in Wellen-Form montieren lässt, verdoppelst du die akustisch wirksame Fläche. Montiere Vorhänge immer mit 15cm Abstand zu Wand oder Fenster – nur so erreichst du die bestmöglichen Akustikwerte.

Akustikpaneele: Akustikpaneele können aus Schaumstoff sein, sie können Stoffbezogen, Filzbezogen oder aus Naturmaterialien, wie Hanf oder Holzabfällen sein. Es gibt sogar Akustikpaneele aus Metall. Egal, für welches Material du dich entscheidest – wichtig sind die akustischen Werte, die du im Produktblatt der Hersteller nachlesen können solltest. Sollten keine Werte aufgelistet sein, dann würde ich die Finger von dem Produkt lassen.

Akustikpaneele können an die Wand geklebt, mit Abstandshaltern montiert, von der Decke gehängt oder zwischen den Arbeitsplätzen abgehängt werden.

Akustikputz: Akustikputz muss rechtzeitig im Projekt mit eingeplant werden – dann trägt er aber einen großen Anteil an verringerter Nachhallzeit und besserer Verständlichkeit bei. Dieser spezielle Putz kann auch über Rohre oder Installationsleitungen angebracht werden und ist in verschiedenen Farben und Zusammensetzungen erhältlich (einzelne Hersteller mischen auch Naturfasern, wie Hanf, unter).

Wichtig: Ist der Akustikputz einmal angebracht, darf er nicht mehr übermalt werden – dadurch verliert er seine offenporige Eigenschaften und wird somit nutzlos. Daher solltest du dir bereits vorab über die Farbe des Putzes im Klaren sein.

Polstermöbel: Ja – auch Polstermöbel tragen zu einer besseren Akustik bei. Diese können dann auch noch mit einem akustisch wirksamen Stoff bezogen werden, das ist jedoch häufig ein Budgetthema. Aber auch ohne Akustikstoff unterstützen Polstermöbel dabei, den Schall im Raum zu absorbieren und zu einem besseren Wohlbefinden beizutragen.

Wie schaffe ich gute Akustik im Büro?

Jetzt weißt du, welche Materialien du einsetzen kannst und du hast einen Überblick, wie du die Abteilungen deines Büros anordnen kannst.

Jetzt habe ich noch ein paar Tipps für dich, die dir dabei helfen, das Akustikprojekt in die finalen Züge zu leiten:

  • Ein Raum besteht immer aus 6 Flächen (Boden, Decke und 4 Wände) – plane an mindestens drei Flächen davon akustische Vorkehrungen. Das können z.B.: ein Teppichboden, Vorhänge vor den Fenstern und an der Wand gegenüber Akustikpaneele sein.
  • Für eine gute Raumakustik kannst du ca. 10 % bis 30 % der Boden- oder Wand-/Deckenfläche mit Akustikpaneelen abdecken, je nach Stärke des Nachhalls; eine grobe Faustregel sind 25 % der Bodenfläche.
  • Bereiche für konzentriertes Arbeiten sind ruhiger und Kommunikation findet dort statt, wo sie niemanden stört. Lange Telefonate haben ihren Platz in eigenen Telefonboxen, für kurze Telefonate sind die jeweiligen Arbeitsplätze akustisch gut abgeschirmt.
  • Weiche Materialien absorbieren den Schall und sind unverzichtbar im Büro.
  • Entferne leere Schränke – diese wirken wie Resonanzkörper und den gewonnenen Platz kannst anderweitig nutzen.
  • Plane Akustikpaneele an den Wänden immer auf Ohrenhöhe ein.

Akustik ist auch ein Organisationsthema

Ein Punkt zum Schluss, der oft unterschätzt wird: gute Akustik hängt auch vom Verhalten der KollegInnen ab. Wenn nicht klar ist, wo telefoniert wird oder welche Zonen wofür gedacht sind, helfen auch die besten Maßnahmen nur bedingt.

In gut geplanten Büros ist Akustik daher Teil der Organisationskultur:

  • Wo finden Gespräche statt?
  • Wie wollen wir zusammenarbeiten?
  • Wo wird konzentriert gearbeitet?
  • Welche Zonen sind bewusst lebendig und wo darf es lauter sein?

Am Ende meiner Projekte gibt es zum Beispiel immer eine Einführung in die „richtige Nutzung“ der Räume – da erkläre ich, welche Räume wofür genutzt werden können und es gibt dann auch einen kleinen „how-to-use“-Leitfaden für die Zukunft.

Wenn das klar ist, wird das Büro automatisch ruhiger – ohne Regeln oder Verbote.

Sophie Kenzian